Bitcoin Future

Warum der Gründer von Interactive Brokers die Bitcoin-Futures fürchtet

Bitcoin-Futures, welche die Cboe Global Markets und CME Group zu einem späteren Zeitpunkt noch in diesem Jahr auf den Markt bringen wollen, könnten das erreichen, was die globale Finanzkrise bisher nicht geschafft hat: Eine Reihe von Handelsfirmen zu dezimieren und die Stabilität der Abrechnungs-Vorrichtungen der Wall Street zu bedrohen.

Kein einziges börsennotiertes Finanzprodukt hat jemals solch ein Chaos verursacht. Allerdings ist Thomas Peterffy, einer der erfolgreichsten Derivatehändler der Welt, besorgt, dass Bitcoin-Derivate eine außergewöhnliche Volatilität in den Markt bringen werden, die schwer zu kontrollieren sein wird. „Zum ersten Mal habe ich extreme Angst,“ sagt Peterffy, der Gründer und Vorsitzende der Interactive Brokers Group (Ticker: IBKR).

Jamie Dimon von JPMorgan Chase (JPM) und Laurence Fink von BlackRock (BLK) sorgen sich, dass Bitcoin eine weitere Blase darstellen und der beste Freund eines jeden Geldwäschers sein könnte. Peterffy hat eine andere Sorge: Er befürchtet, dass niedrige Marginraten Spekulation begünstigen und Handels- und Clearingfirmen gefährden könnten.

Die Futures-Margin liegen zwischen 2% und 8%. Wenn die Verluste eines Anlegers diesen Bereich überschreiten, müssen die Broker diese sofort abdecken und dann versuchen, diese Gelder beim Kunden einzusammeln. In diesem Jahr wurde Bitcoin zwischen rund 708 US-Dollar bis hin zu fast 7.400 US-Dollar gehandelt. Der Preis könnte noch weiter steigen oder der Kurs könnte an einem Tag um bis zu 70% fallen. Es ist schwierig, diesen Preis zu analysieren, da Bitcoin im Gegensatz zu Rohstoffen wie Mais oder Futures auf den Standard & Poors 500-Index keine wirtschaftliche Funktion erfüllt.

Peterffy befürchtet, dass kleine Handelsunternehmen die niedrigsten Marginraten bieten werden, um ihr Geschäft anzukurbeln, und somit zu Schwachstellen in der Marktabwehr gegen Risiken werden könnten, wie sie von verschiedenen Produkten verursacht werden, die den CBOE Volatility Index oder VIX verfolgen. Viele Anleger wetten, dass der VIX niedrig bleiben wird. Diese Wette könnte sich als katastrophal herausstellen, wenn die Volatilität plötzlich ansteigt und die Aktien fallen.

„Die schwächeren Clearing-Mitglieder berechnen am wenigsten. Sie haben sowieso nicht viel Geld zu verlieren. Aus diesem Grund werden sich die meisten Bitcoin-Interessen in den Büchern schwächerer Clearing-Mitglieder ansammeln, die bei einer größeren Marktbewegung allesamt versagen werden,“ sagt Peterffy.

Peterffy möchte, dass die CME und die Options Clearing Corp. (OCC) die Haftung der Clearing-Mitglieder für Bitcoin-Futures auf 100 Millionen US-Dollar begrenzen. Er möchte Bitcoin außerdem auch von anderen Finanzprodukten isolieren, ein Schritt, der, wie er sagt, bereits für einige andere Volatilitätsprodukte unternommen wurde. Interactive Brokers bietet den Bitcoin-Futures-Handel an, wenn diese Bedingungen erfüllt sind, und erwägt, die Geschäftsbeziehung mit einigen Clearing-Unternehmen einzustellen, sofern dies nicht der Fall ist.

CME, CBOE und das OCC wollten keinen Kommentar in dieser Sache abgeben, außer zu sagen, dass das Risiko von Bitcoin-Futures überschaubar sei.

Bitcoin-Futures sind in vielerlei Hinsicht beispielhaft für die Herausforderungen, vor denen Börsen in den USA stehen. Früher waren die Märkte die Orte, wo Firmen ihre Risiken managten oder Kapital beschafften. Inzwischen stellen Aktien-orientierte Börsen im Wesentlichen sehr schnelle Computersysteme dar, die konzipiert wurden, um für den schnellen und quantitativen Handel attraktiv zu sein. Rohstoffbörsen wie die CME sind von dem Handelsvolumen ihrer notierten Produkte abhängig.

Nichts, mit dem sich die Börsen in der Vergangenheit beschäftigt haben, hat die öffentliche Vorstellungskraft so sehr in den Bann gezogen wie Bitcoin. Zu einer Zeit, in der Banken wie die Goldman Sachs Group (GS) berichten, dass Kunden nicht daran interessiert sind, Aktien, Anleihen und Derivate zu handeln, müssen die Börsen auf den Bitcoin-Zug aufspringen. Die Handelsgebühren könnten sehr hoch ausfallen, wenn die Commodity Futures Trading Commission den Cboe und CME erlaubt, Bitcoin-Futures zu listen.

Die Situation sollte die Derivate-Industrie, die ohnehin um die Akzeptanz im Mainstream kämpft, demütigen. „Investoren sind bereit, Millionen, Abermillionen und Hunderte Millionen in Bitcoin zu investieren,“ sagt Vincent Au, ein Portfoliomanager beim Hedgefonds Gondor Capital, „doch die Leute haben Angst vor Optionen.“

Man hat gesagt, dass die Wall Street neue Finanzprodukte entwickelt, indem sie Ideen gegen eine Mauer wirft und alles handelt, was daran kleben bleibt. Bitcoin-Futures könnten, sofern Peterffy in der Tat Recht hat, die Mauer allerdings zum Einsturz bringen.

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